Shokat Ali Walizadeh, Leopold Stieger und Paul Höllnage bei der Regierungschefs: Kanzler Werner Faymann

Es ist mir eine Ehre heute hier sein zu dürfen und ich danke Ihnen allen für diese Möglichkeit.
Mein Name ist Shokat Ali Walizadeh, ich komme aus Afghanistan und bin seit 2008 in Österreich. Aber mir kommt es so vor, als sei ich erst seit 2009 hier, nicht schon seit 2008, weil ich im ersten Jahr im Asylheim nichts anderes als schlafen und essen konnte und die Zeit keine Rolle spielte. Erst 2009 konnte ich mit Deutschkursen beginnen und mir langsam ein Leben aufbauen und auch das nur dank der Hilfe von Privatpersonen. Ich habe subsidiären Schutz seit May 2009, wie viele meiner afghanischen Freunde und anderen flüchtlinge auch. Dieser Schutz wird befristet vergeben. Diese doch lange Ungewissheit, ob wir bleiben dürfen oder nicht, belastet psychisch und macht es mitunter schwer wirklich Fuß zu fassen.

Seit 2010 mache ich eine Ausbildung zum Zahntechniker und daneben arbeite ich ehrenamtlich in einem Verein, den ich mit Freunden gegründet habe. Wir bemühen uns um die Integration junger unbegleiteter Flüchtlinge aus Afghanistan, arbeiten auch mit anderen Institutionen und Vereinen zusammen.

Lassen Sie mich ein paar Worte zum Thema Integration sagen:
Für jeden bedeutet Integration etwas anders. Für mich heißt es gegenseitiges Akzeptieren und Respektieren.
Integration kann nicht einseitig gelingen, sie muss von beiden Seiten ermöglicht werden, von den Ausländern aber auch von den ÖsterreicherInnen.
Beide Seiten müssen sich bemühen. Wir müssen aufeinander zugehen.
Sehr wichtig sind die Sprache, die Kultur und die Regeln, die in der Gesellschaft bestehen, in der man neu ist und die man Schritt für Schritt kennenlernen muss. Wichtig ist meiner Ansicht nach über das neue Land, den Staat, die Grundgesetze der Verfassung, die Traditionen Bescheid zu wissen. All das hilft sich wohl zu fühlen, ohne dabei seine eigenen Wurzeln vergessen zu müssen. Die Schlüssel zur Integration sind für mich Freundschaft, Offenheit und Bildung: in der Freundschaft ist es egal, woher du kommst oder wie du aussiehst – wichtig ist ja nur, wer du bist. Ohne Offenheit entwickelt sich eine Person, eine Gesellschaft nicht weiter – wir müssen daher auf einander zugehen, wieder und wieder. Und Bildung ist ein wesentlicher Baustein für Integration und für ein selbstbestimmtes Leben. Für all das setze ich mich ein und mit mir meine Freunde im Verein.

Es ist nicht einfach ein Flüchtling zu sein und seine Famile, Freunde, Heimat verlassen zu müssen. Aber ich bin froh, dass ich hier in Österreich sein kann. Dass ich hier in Sicherheit und Frieden leben und eine Ausbildung machen kann. Und dafür sage ich Ihnen als Vertreter des österreichischen Staates Danke.

http://kurier.at/politik/inland/kurier-leser-im-kanzleramt/1.524.751#section-1525847

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *