Rede von Ali Reza Haidari aus Tirol bei der Absolventenfest am 29.06.2018

Integration und Bildung 

Meine Damen, meine Herren, mein Name ist Ali Reza Haidari und ich begrüße Sie zur der heutigen Veranstaltung.
Ich bin sehr froh hier sein zu dürfen um mit euch meine Erfahrungswerte teilen zu dürfen.
Als ich vor zehn Jahren (in 2008) nach Österreich kam, wusste ich nicht, dass ich eines Tages in Österreich, meinen Traumberuf als Ingenieur ausüben werde und meine Leistung an die österreichische Wirtschaft erbringen werde, indem ich einen Mehrwert in Form von Serienprodukten, für namenhafte österreichische Unternehmen schaffe.
Ich kann mich sehr gut erinnern, dass vor zehn Jahren, meine größte Sorge war, in welches Bundesland ich vom Flüchtlingslager Traiskirchen verteilt werde und ob ich eine Chance auf ein Studium bekommen würde.
Nachdem ich erfahren habe, dass ich nach Tirol verlegt werde, habe ich mir gedacht, dort werde ich nicht die Chancen haben, wie die anderen Kollegen, die nach Wien verlegt worden sind. Doch ich wusste auch, dass ich nie aufgeben werde und dass ich nach jeder Weiterbildungsmöglichkeit suchen würde.
Ich hatte großes Glück, dass damals (2008) die HTL Anichstrasse in Innsbruck, in Rahmen eines EU Projektes, die sogenannte „Weltklasse“ organisierte, um Interessenten wie mich, die Möglichkeit zu bieten, sich für die HTL Ausbildung vorzubereiten.
Im Jahr 2009, dürfte ich mich an der HTL Anichstrasse für die Abendschule anmelden. Ich habe die Fachrichtung Elektronik und Nachrichtentechnik ausgewählt, weil ich immer von der Elektronik und speziell von der Telekommunikationstechnik begeistert war. Doch es war nicht leicht. Die ersten zwei Semester waren die schlimmsten für mich. Zu einem war die Fachrichtung Elektronik und Nachrichtentechnik sehr anspruchsvoll und noch dazu die deutsche Sprache auf tirolerisch zu meistern, war eine große Herausforderung. Doch ich liebe Herausforderungen, denn dadurch kann man erst von der Komfortzone herauskommen um zu wachsen.
Meine Strategie war ganz simpel, ich versuchte so viel wie möglich zu lesen, zu hören und ganz wichtig zu sprechen. Doch es ist leichter gesagt als getan. Ich kann mich gut erinnern, dass ich manchmal große Schwierigkeiten gehabt habe, unseren Lehrer, der etwas schnell sprach, zu verstehen. Ich musste mich an die Lippenbewegung von diesem Lehrer konzentrieren, damit ich das ausgesprochene Wort ungefähr verstehe.
Die Abendschule in Innsbruck ist so organisiert, dass man nach 4 Semestern die allgemeine Matura und nach 8 Semestern die technische Matura abschließen kann.
In 2011, also nach insgesamt drei Jahren in Österreich und zwei Jahren, an der HTL war es soweit, um die deutsche Matura abzulegen. Dies war das schwierigste, was ich je in diesen zehn Jahren geschafft habe. Doch am Ende konnte ich die Deutsch-Matura mit einer Note von 3 abschließen und bin sehr zufrieden damit.
Dieser Erfolg hat mich in meinem späteren Berufsleben sehr weit gebracht! Und mich für weiteren Herausforderungen vorbereitet!
In 2013 habe ich, die Fachrichtung Elektronik und Nachrichtentechnik mit gutem Erfolg abgeschlossen. Und war danach als Entwicklungsingenieur bei Kathrein Group, dem ältesten Antennenhersteller der Welt, für Mobilfunkanlagen und SAT Systeme, beschäftigt.
Gleichzeitig habe ich 2013 angefangen berufsbegleitend die Fachrichtung Elektronik und Informationstechnologie (technische Informatik) an der Hochschule Mittweida zu studieren und habe diese in 2015 mit gutem Erfolg abgeschlossen.
In 2016 habe ich mich für ein MBA Studium an der TU Wien entschieden, und befinde mich derzeit im vierten Semester und somit bei der Fertigstellung meiner Masterarbeit.
Heute darf ich eine Abteilung in einem namenhaften Unternehmen leiten, strategische Entscheidungen treffen und das Unternehmen mitgestalten.
Viele werden sich vielleicht denken, warum erzähle ich das Ganze, wozu soll das Ganze für Sie von Bedeutung sein? Was können Sie damit überhaupt anfangen?
Die Antwort lautet, ich weiß es nicht!
Ich weiß nur, wenn man diszipliniert vorgeht, für sich Ziele setzt (SMART: Spezifisch, Messbar, Erreichbar, Realistisch und Terminiert), diese richtig Priorisiert und zielorientiert handelt (alles dafür Notwendige tun, um das Ziel zu erreichen), dann kann man jede Herausforderung überwinden.
Ich bin mir sicher, dass Sie erkannt haben, dass die Republik Österreich uns allen, vielfältige Möglichkeiten bietet, um uns weiterzubilden, um zu studieren, um den Beruf auszuüben, den wir lieben. Jedoch muss jeder für sich selbst die Motivation bzw. Selbstdisziplin haben, um diese Möglichkeiten effektiv zu nutzen.
Wussten Sie, dass in vielen hoch entwickelten Wirtschaftsräumen, man tausende von Dollars ausgeben muss, um ein Semester lang studieren zu dürfen?
Wussten Sie, dass mehr als 90.000 € für einen Absolventen der technischen Fachrichtung ausgegeben wird. Ein Medizinstudent kostet den Staat um rund 60.000 € jährlich.
Mit diesen Kennwerten will ich euch hiermit, auf den großartigen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung gestellt wird, sensibilisieren und Bitten, dass wir damit verantwortungsvoll umgehen und auch diese Chancen nutzen.
Ich habe noch viel zu erzählen, leider haben wir alle nur eine begrenzte Zeit, daher lade ich euch zu einem Gespräch ein und stelle meine Kontaktdaten für eure Fragen sehr gerne zur Verfügung.
Zum Schluss möchte ich mich bei dem Verein Neue-Start und bei IGASUG herzlich bedanken, die uns diese großartige Möglichkeit gegeben haben, damit wir zusammenkommen dürfen und Erfahrungen austauschen dürfen.
Ich erweise alle Absolventinnen und Absolventen mein Respekt! Herzliche Gratulation! Gleichzeitig wünsche ich alle Studierenden, alles Gute und viel Erfolg!
Ich wünsche euch allen, einen schönen Abend noch!
Vielen Dank!
Fotograf: Habib Nazari

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